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Dienstag, 11. Dezember 2018
Wer langsam fährt hat länger Spaß! Drucken E-Mail
Geschrieben von Hannes Schmid   

Heft bestellen - Wer langsam fährt hat länger Spaß!

Der schärfste Moped-Ride überhaupt! Weltweit! 50ccm, 2 Räder, 1 Spur - Alles was diesen Vorgaben entspricht, darf beim Ötzaler Mopedmarathon dabei sein.

Lang, hart und Spaß pur - Und wir, Johannes, Andreas und Hannes, waren dabei!

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Ein Mega Ride von Sölden - nach Sölden! Der 4. Ötztaler Mopedmarathon XVI geht über: 4 Klimazonen, 2 Länder, 4 Alpenpässe, 5500 Höhenmeter und 238 Kilometer - an nur einem Tag!

Die Anmeldung zum ÖMM erfolgte online am 11. 11. 2015 ab 11 Uhr 11! (Kein Faschingsscherz!) In der Ausschreibung stand: „Die Teilnehmerzahl ist mit 777 begrenzt. Die begehrten Startplätze sind an einem Tag ausverkauft! Daher ist BEEILUNG angesagt.“


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Gedacht getan - wie scheinbar alle andere auch - ergibt einen mächtigen Server-Absturz! ... nach zwei Tagen die Erleichterung - wir sind dabei! Inzwischen wurde von den Veranstaltern auf 1000 Teilnehmer aufgestockt.

Meine ersten Gedanken - mit was soll ich fahren und wird es fertig? Meine Wahl fiel auf eine soeben aus dem Dornröschenschlaf wach geküsste HMW Supersport Baujahr 1956.

Es folgte ein Winter des Schraubens. Technisch neu aufgebaut blieb der Originallack erhalten. Schon fast fertig, ließ eine notwendige Getriebe-reparatur den Termin rasend schnell näher kommen.


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Donnerstag 23. Juni 2016 - Es wird ernst 700 km Anreise - aufgeladen! Um 15.00 Uhr starten wir zu einer Testfahrt von Sölden auf 1.368 m, zur Timmelsjoch Mautstation auf 2.175 m (807 Höhenmeter).

Strahlend blauer Himmel und 18 Grad er-wartete uns bei einem Museum auf mehr als -2.000 m- „Europas höchstem Motorradmuseum”. (Eine Woche vorher noch Schneefahrbahn!)

In den letzten Jahren haben Alban und Attila Scheiber eine der umfangreichsten und kostbarsten Sammlungen historischer Motorräder in Österreich aufgebaut.

Im Top Mountain Crosspoint entstand das etwas andere Museum, das die Herzen von Motorradfans höher schlagen lässt! 170 historische Motorräder stellen die zwei Motorradfans im Top Mountain Crosspoint, direkt an der Timmelsjoch Hochalpenstraße - der für Motorradfahrer attraktivsten Route über die Alpen - aus. Die erlesenen Exponate lassen Motorradgeschichte lebendig werden.

Als „Paten“ für das Ötztaler Prestige-Projekt gewannen die Betreiber den mit 15 WM-Titeln erfolgreichsten Fahrer der Motorrad-Weltmeisterschaft, Motorradlegende Giacomo Agostini.

Gezeigt werden Kostbarkeiten wie Moto Guzzi, MV Augusta, Ducati, BMW, NSU, DKW, Zündapp, Triumph, Sunbeam, Norton, Matchless, A.J.S., Brough Superior, Vincent, Honda, Henderson, Indian und natürlich Harley Davidson. Neben den Zweirad-Unikaten finden auch einige exklusive Autos Platz im Museum, allesamt mit Renngeschichte. Beispielsweise ein Ferrari California Spider, ein Porsche 959 oder auch ein Lotus 23 B.


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Freitag, 24. Juni 2016 9:00 ging es für uns zum „Checkin“. Wir, Johannes auf PUCH MV, Andreas auf KTM und ich Hannes auf HMW, auch nicht fad, haben uns natürlich für den „Mega-Ride“ angemeldet. Der beinhaltet zusätzlich zum klassischen 238 km Samstag-Marathon noch eine Zusatztour am Freitag - zum Aufwärmen.

280 Rider starten um 11:11 Uhr gleichzeitig zu einer gemeinsamen 13-km-Tour zum Rettenbachgletscher mit durchgehend 13 % Steigung!

Den Rettenbachgletscher endlich erreicht ging es 3 km weiter durch den höchstgelegenen Straßentunnel Europas wo wir den höchsten asphaltierten Punkt der Alpen (2.829 m) erreichen. Nur wer diesen erreichte konnte sich am Tiefenbachgletscher seinen Gutschein holen und damit retour am Rettenbachgletscher sein „Weißwurst Mittagessen mit alkoholfreiem Weißbier und Brezen“ einlösen.

Nicht erahnte Strapazen verfolgten uns bis zum Ziel. Entschädigt wurden wir mit einer unglaublichen Kulisse in der Ötztaler Gletscherwelt.

Zur gleichen Zeit trafen sich in Sölden, auf inzwischen auf 1.111 Teilnehmer aufgestockt, die restlichen 811 Rider im Eventgelände. Es erwartet sie dort ihr Checkin und ein gegenseitiges Beschnuppern der „Boliden“ und deren Bereiter!

Zurück vom Gletscher wurden unsere Schlurf-raketen vollgetankt und noch mal durchgecheckt.

Unsere treuen Fans reisten extra aus Villach an, um mit uns am Vorabend zum Marathon noch einen gemeinsamen Abend zu verbringen.

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25. Juni 2016 4:15 Tagwache - 5:00 Frühstück - 6:00 Uhr Massenstart - In Gruppen wurden wir auf die 5500 Höhenmeter hohe und 238 Kilometer weite Strecke von Sölden - nach Sölden losgelassen.

Ach ja ehe ich es vergesse, es gab ein verbindliche Vorgabe: Der Tempomacher Patric Grüner, ein Radfahrer, Weltmeister im Ultracycling, legte in den vergangenen Jahren die schnellste (!) Zeit vor. Ja genau, die schnellste! „Ihn darf man definitiv nicht überholen, aber das schafft eh keiner. Er fährt einen Schnitt von 28 bis 30 km/h, ein gutes Moped schafft 25 km/h. Da sind nichteinmal die Pausen mit ein gerechnet. Und davon gab es viele. Zum Essen, zum Trinken, zum Pinkeln, zum Helfen, zum Reden, zum Zündkerzen-Wechseln, zum Tanken, zum Warten, bis zum Kühlen der Brems- und Pobacken.

Die Wertung: Wenn der Letzte im Ziel ist, wird aus seiner Zeit und jener des Radfahrers (ca. 8 Stunden) die Mittelzeit ausgerechnet, und wer der am nächsten ist, ist Sieger.
Im Zielraum konnten die „Zurückgebliebenen“ über eine riesige LED-Videowall mitfiebern welche Teilnehmer, wann wo welche Checkpoints gerade passiert haben.

Kühtai Schon der erste Anstieg hatte eine Steigung von 18 Prozent - über Serpentinen ging es

im Kühtai nach oben auf 2.020 m. (für manche streckenweise schiebend!?).

Bei meiner HMW stand der 1. Kerzenwechsel an. Nach der Passhöhe folgte die Abfahrt nach Innsbruck.

Brennerpass Wegen einer Kundgebung wurde wie angekündigt die Bundesstraße über den Brenner von 9.00 bis 19.00 Uhr für den gesamten Verkehr gesperrt! AUSSER für alle die bis 12:00 Uhr irgendetwas mit dem Mopedmarathon zu tun haben. Rider und Begleitfahrzeuge die registriert wurden durften durchfahren. Alle die NACH 12.00 Uhr den Brennerpass erreichten, konnten leider nicht mehr durch. Der Ride war so mit zu Ende! Also mussten wir uns beeilen den Brenner zu erreichen - geschafft!

Auf der italienischen Seite erwartet uns die Labestation und wir hatten jetzt bis 18:00 Uhr easy (?) Zeit um über den Jaufenpass und das Timmelsjoch zu kommen.

Jaufenpass Mit einer zu lang gewählten Übersetzung musste ich immer früher als andere in einen niedrigeren Gang zurückschalten und somit erklomm ich die 2.094 m im 1. Gang.


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Oben angelangt wurden wieder alle Teilnehmer gescannt damit keiner verloren geht. Bei einer kurzen Verschnaufpause traf ich einen belgischen Teilnehmer, auf einer von zwei teilnehmenden HMW, der mit seiner HMW 50 Z 900 km aus Belgien auf Achse angereist ist!!!

Nach der Abfahrt, in St. Leonhard, Lufttemperatur im Schatten 28 Grad, war es für meine HMW vorerst einmal zu Ende. Kein Gemisch wollte den Benzinhahn passieren - dieser war vollkommen verkrustet. Kurzer Hand wurde einer der beiden von der KTM von meinem Bruder mit meinem getauscht und schon ging es, um nicht viel Zeit zu verlieren, weiter.

Timmelsjoch Nur knapp erreichte ich den ersten Tunnel um mich in den Regenkombi zu quälen. - Mit einer mich seit geraumer Zeit verfolgenden schwarzen Wolkenwand setzte Regen ein. Bei Regen in den Tunnel hinein erwartete mich blauer Himmel am anderen Ende und hinter der dritten Kurven wieder ein Regenschauer. Das wechselte so mit stetig fallenden Temperaturen bis zum Gipfel (2.509 m).

Bei heftigem Regen und glatter Fahrbahn ging es die Timmelsjoch Hochalpenstrasse hinunter nach Sölden ins Ziel - geschafft!!!

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