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Montag, 20. November 2017
Die Brünner Straße einst und jetzt Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang M. Buchta   

Heft bestellen - Die Brünner Straße einst und jetzt

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Familie Buchta ist - natürlich mit zwei feinen Automobilen - den historischen Verkehrsweg gefahren und hat eine photographische Bestandsaufnahme durchgeführt...

Die B7, wie die Brünner Straße heute offiziell heißt, verbindet wie der Name schon sagt Wien mit der rund 130 km nördlich gelegenen zweitgrößten Stadt der Tschechischen Republik.

Die Route geht bis auf das Altertum zurück. Bereits die legendäre Bernsteinstraße, die die Ostsee mit dem Mittelmeer verband, folgte in etwa dem Verlauf der Brünner Straße - aber das war natürlich noch keine Staße in heutigem Sinn.

Ein Erlass von Kaiser Karl VI. aus dem Jahre 1722 befahl den Bau von fünf Reichsstraßen, die alle Teile der Monarchie mit Wien verbinden sollten - damit nahm die vorerst "Nikolsburger Straße" genannte Route in etwa die heutige Form an.

In den folgenden Jahren und Jahrhunderten war der Brünner Strasse ein wechselhaftes Schicksal beschert - von der Reichsstraße, die eine der wichtigsten Städte des Reiches mit der Haupt- und Residenzstadt Wien verband, zu eine Straße, die eine Grenze ins nicht immer freundliche Nachbarland überqueren musste, zur Sackgasse, die an den Granzbalken des Eisernen Vorhangs praktische endete, bis (wieder) zu einem wichtigen Verkehrsweg - Europastraße 461 - in einem vereinten Europa.

Einen kleinen, aber reich mit historischen Bildern illustrieten, Einblick in die Geschichte gibt das Buch "Die Brünner Strasse" von Christian Jostmann, aus dem die historischen Bildern stammen.

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1903 wurde das bis heute genützte "Amtshaus für den XXI. Bezirk" erbaut und markiert - trotz der Adresse "Am Spitz 1" - den Anfang der Brünner Strasse. Wo nach dem Krieg ein "Amerikaner" der Linie 33 fuhr, stehen heute ein "Engländer" und ein "Deutscher"...

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Mitte der 50er Jahre fuhr der "Amerikaner" der Linie 331 zwischen Stammersdorf und Floridsdorf noch durch eine ländliche Umgebung. Heute fährt der "Ulf" der Linie 31 zwischen Einkaufszentren und Wohnbauten.

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Das Wirtshaus am Rendezvousberg wurde angeblich während der Napoleonischen Kriegen - 1805 und 1809 - zweimal von Napoleon besucht. Ein Fresko im Obergeschoß zeigt eine Szene aus dem Feldzug. Das Fresko existiert noch und die Liegenschaft gehört heute der Firma "Koller Holz", ja, das es der mit dem Museum am Heldenberg...

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Alle 100 Jahre stellt sich ein mutiger Photograph in Wolkersdorf dem Verkehr entgegen - und läßt sich dabei photographieren.

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Apropos 100 Jahre: So lange dürfte auch die Kinder auf eine Möglichkeit, die Straße zu überqueren, gewartet haben. Heute ist wahrscheinlich mehr Verkehr aber zumindest gibt's einen Fußgängerübergang.

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Der Julius Bittner Platz in Wolkersdorf ist nach dem Richter und Opernkomponisten Julius Bittner benannt, der bis 1920 in Wolkersdorf amtierte. Aus etwa der Zeit stammt auch das historische Bild. Heute ist die Kreuzung in "Naturstraßenbauweise" einem Kreisverkehr mit kleinem Park mit Kiosk gewichen...

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Das Gasthaus "Zur Heiligen Dreifaltigkeit" in Gaunersdorf, pardon Gaweinstal, besteht noch immer, und hat lediglich den Untertitel "Gasthaus Emmerich Freudensprung - Inhaber T. und E. Wimmer" bekommen. Statt des Fuhrrwerks aus dem Jahre 1900 haben wir Morgan und Mercedes C 220d Cabrio vors Haus geparkt.

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Anfang der 60er Jahre war Gaweinstal im allgemeinen und die Straße im speziellen in bedauerlichem Zustand. Der ganze Hauptplatz wurde zur Baustelle. Etliche Häuser haben - in jetzt fein restauriertem Zustand - bis heute überlebt.

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Schrick - wo die Zeit stehen geblieben ist: Die Volksschule besteht nach wie vor, aus dem Gasthaus Edelhofer wurde das "Gasthaus Stoik – Wirtshaus zum goldenen Igel" und statt der Reichspost sorgt heute der Postbus für den Nahverkehr.

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Auch ein paar Kilometer weiter in Hoberdorf ist Kontinuität angesagt: Aus dem Gemeindegasthaus wurde das "Neunläuf", die Gastwirtschaft der Familie Kramer, wo man - wie wir im Rahmen eines Selbstversuchs festgestellt haben - bis heute ausgezeichnet speisen kann.

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Im benachbarten Wilfersdorf wurde - im praktisch unveränderten Gebäute - aus dem "Warenhaus Fischer" ein "Spar". Ob die Betreiber die gleichen geblieben sind, entzieht sich unseren Kenntnissen.

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In Wilfersdorf führt die Brünner Strasse in nördlicher Richtung direkt auf die Pfarrkirche St. Nikolaus zu. Wo einst kopftuchtragende Bäurinnen lustwandelten machen heute die "Platzhirsche" Werbung für das Viertelfestival.

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Blick zurück: Über Erdberg verläßt die Brünner Strasse Wilfersdorf. Im Hintergrund die Kirche St. Nikolaus, diesmal von der anderen Seite...

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Endlich in Poysdorf! Wo einst vor der 1714 gestifteten Dreifaltigkeitssäule Kohlen, Castrol und landwirtschaftliche Geräte angeboten wurden parken heute unsere Autos. Und die Kinder stehen nicht am Dach des Autobusses sondern auf den Sitzen des Morgan - natürlich ohne Schuhe!

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Der "Huberberg" ist längs asphaltiert und die spielenden Kinder mussten dem Straßenverkehr weichen. Aber Kirche und Pfarrhof haben sich bemerkenswert wenig verändert.

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Ortseinfahrt Drasenhofen: Die Bäume sind neu, aber der Charakter der Allee und der Blick auf die Kirche sind erhalten geblieben.

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Über Grenzübergang Mikulov/Drasenhofen wurde erst 1964(!) der Busverkehr zwischen Wien und Brünn wieder aufgenommen. Heute, im vereinten Europa, besteht natürlich freie Fahrt - einen Schranken für das Photo zu finden war ein Glücksfall!

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 1938 bis 1945 wurde der Stadtplatz von Nikolsburg zum Adolf Hitler Platz und mit den dazupassenden Fahnen geschmückt. Der Name und der Fahnenschmuck sind glücklicherweise schon lange verschwunden, und die Bausubstanz hat auch diesen Geschichtsabschnitt gut überstanden.

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Von 1908 nach 2017: In 110 Jahren hat sich die "Skyline" von Mikulov (deutsch: Nikolsburg) kaum geändert.

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Eine dramatische Geschichte hat das Wirtshaus "Nova hospada" (Neues Wirtshaus) bei Perna/Bergen: Einst eines der populärsten Gasthäuser weit und breit wurde es von seinem Besitzer im April 1945 abgezündet, bevor dieser, ein überzeugter Nazi, mit seiner Familie Selbstmord beging. Nach dem Krieg wurde das jetzt "Spalena Hospada" (Verbranntes Wirtshaus) genannte Anwesen wieder aufgebaut - nur um heute wieder halb verfallen und leerstehend zu sein...

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Statt Trauerumzug Mercedes und Morgan am Hauptplatz von Pohorelice/Pohrlitz. Wer genau schaut wird erkennen, dass die an die Kirche angebauten Häuser wohl dem Straßenbau weichen mussten.

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Am Ziel: Bei der "Langen Brücke" über die Svratka endet unsere Reise. Die Brünner Strasse heißt in Brünn natürlich "Videnska", was sich mit "Wiener Strasse" - vídeňský = wienerisch - übersetzen läßt.

Das markante Gbäude nördlich des Flusses war einst die 1877/78 erbaute "k.u.k. Slawische Lehrerbildungsanstalt" und beherbergt heute die Fakultät für Architektur der Technischen Universität Brünn (Vysoké učení technické v Brně - Fakulta architektury).

Das Quartier


Brünn ist eine schöne Stadt in der man gut Essen und auch stilvoll wohnen kann. Wir hatten uns für das Hotel Santander entschieden. Das Santander war einst eine herrschaftliche Villa, die heute als kleines, feines Hotel betrieben wird.

www.hotelsantander.cz

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Die Fuhrwerke

Schöner Reisen mit schönen Autos - diesen Motto wurde unsere Reise wieder einmal gerecht - obwohl die Fahrzeuge kaum unterschiedlicher sein könnten. Mit der Anforderung "ein Cabrio muss es sein" begannen wir unsere Suche und das Schicksal bescherte uns zwei prächtige Exemplare - beide offen, beide sehr unterschiedlich im Charakter und beide beginnen auch noch mit dem selben Anfangsbuchstaben - beschert:

Mercedes C 220d Cabrio

 und

Morgan Plus 4


Neue Autos auf historischem Pflaster: Bei Gaweinstal gibt es - abseits der heutigen B7 - noch ein paar hundert Meter historisches Pflaster der "alten" Brünner Straße

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Unser Dank gilt Mercedes-Benz Österreich - www.mercedes-benz.at - und Morgan Austria - www.morgan.at

Das Buch


Die historischen Bilder entstammen dem Buch

Christian JOSTMANN
Die Brünner Strasse
Edition Winkler-Hermaden
ISBN 978-3-9502688-6-7

Wir danken Verlag - www.edition-wh.at - und Autor für die freundliche Überlassung der historischen Bilder.

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