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Samstag, 20. Oktober 2018
Stets bereit! Die Feuerwehr Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Winterle   

Heft bestellen - Stets bereit! Die Feuerwehr

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In der vorautomobilen Zeit zogen Pferde die Spritze zum Brandplatz. Bei Hochwasser den Rüstwagen mit Brettern, Sandsäcken und Schanzwerkzeug zum bedrohten Flussufer. Mit der Erfindung des Automobils trat dieses, nach anfänglicher argwöhnischer Ablehnung, in den Dienst der Florianijünger. Da solche Fahrzeuge sehr teuer in der Anschaffung waren, konnten sich kleinere Kommunen diese Novität lange Zeit nicht leisten. Finanziell gut stehende Städte, die auch über Sponsoren verfügten, waren die ersten, die Spritze und Mannschaft mit dem Automobil transportierten.

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 Ein Feuerwehrauto war von Anfang an weitgehend eine Einzelanfertigung auf Basis eines Lastwagenfahrgestells. Nur so konnten die Bedürfnisse der Auftraggeber umgesetzt werden. Zur gängigsten Bauform der Urzeit wurde der Leiterwagen mit offenen Sitzplätzen für die Mannschaft und einer großen Schlauchhaspel. Erst später wurden die Feuerwehrmänner im geschlossenen Aufbau transportiert. Reine Mannschaftstransporter wurden in den USA knapp nach der Jahrhundertwende bereits gebaut. Tankwagen mit den unterschiedlichsten Fassungsvermögen von 500 bis 30.000 Liter Wasser kamen erst später dazu. Ebenso Rüstwagen für unterschiedlichstes Werkzeug und Gerätschaften.


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Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Industrialisierung und der Verkehr immer größere Umfänge erreichten, kamen neue Aufgaben auf die Feuerwehren zu. Bergefahrzeuge vom Kleinlaster mit Seilwinde bis zum 80-Tonnen- Kran, Spezialfahrzeuge für chemische Einsätze, Wasserrettungseinsatz, Waldbrand bekämpfende Allradfahrzeuge und vieles mehr, gehörte nun zum Fuhrpark größerer Wehren.

Auch heute noch wird ein Großteil der Fahrzeuge als Einzelanfertigung oder in Kleinserie gebaut. Dem Serienbau entnommen sind Einsatzleitwagen, kleinere Allzweck- und Mannschaftstransporter.

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Durch die geringe Laufleistung und fürsorgliche Pflege, erleben Feuerwehrautos meist ein Alter von 20 bis 30 Jahren und mehr. Damit ist für Nachwuchs an Oldtimern gesorgt, die teilweise in eigenen Sammlungen gezeigt werden.

Den helfenden Helden spielen Ich habe mit meinen Enkelkindern mehrfach den folgenden Test gemacht: Hundert Vinylautos auf den Spielteppich ausleeren und dann die Buben ihre Lieblingsautos aussuchen lassen. Es lief immer nach demselben Schema ab. Der erste Griff galt den Feuerwehrautos, gefolgt von Lastautos und Traktoren mit Anhänger. Erst zum Schluss die Sportwagen. Es ist also bereits in der kindlichen Natur eingeprägt, helfen und arbeiten kommen vor dem Vergnügen.


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Vor 120 Jahren spielten die Knaben mit von Pferden gezogenen Leiterwagen mit Haspel und aufgesessener Mannschaft. Natürlich folgten die Verkleinerungen der ersten automobilen Löschwagen auf dem Fuß. Vom Groschenmodell aus Holz vom Weihnachtsmarkt bis zum lithographierten Großmodell aus Blech mit zahlreichen Funktionen und beweglichen Teilen, war vor fast 100 Jahren bereits ein breitgefächertes Angebot für jeden Geldbeutel am Markt. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war das spielerische Helfen, das Abenteuer Feuerwehr, in den Köpfen der Buben eine fixe Größe. Viele träumten davon, wenn sie erwachsen sind, Feuerwehrmann, besser noch Hauptmann zu werden. In unseren Breiten kein Problem, als Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr wird dieser Traum – zur nicht ganz ungefährlichen – Wirklichkeit im Dienst am Nächsten.


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Feuerwehrautos sammeln – spannend wie das Thema selbst Heute bleibt in keinem Maßstab kein Wunsch mehr offen. Täglich kommen Neuheiten in die Läden und ins Internet. Die aktuellen Modelle haben eine Sammlerqualität erreicht, die selbst die höchsten Anforderungen erfüllt und auch Nischenmodelle nicht vergisst. In diesem Beitrag möchte ich Modelle der Größe 1:43 bis 1:55 präsentieren. Für alle Sammlerfreunde, die sich dem 1:87er, also dem H0-Maßstab verschrieben haben, gibt es seit

60 Jahren ungezählte Feuerwehrautos von Wiking, Roco, Albedo, Brekina, Faller, Roßkopf, Praliné, Rietze und anderen Herstellern.


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Drehen wir die Uhr zurück in die Jahre 1950 bis 1980, so landen wir in der Ära der Spielzeugautos. Am Feuerwehrauto kam keine einzige der Spielzeugautos herstellenden Firma vorbei. Ganz egal in welcher Größe oder aus welchem Material, ein Feuerwehrauto war immer vorne mit dabei. Bei den Zinkdruckmodellen der Matchbox-Größe wurden erstmals nicht nur die klassischen Leiterwagentypen angeboten, sondern auch Tankfahrzeuge, Rüstwagen und Mannschaftstransporter. Auch der heute so populäre Hubsteiger, System Simon Snorkel ist seit den 1970er-Jahren im Lieferprogramm zahlreicher Anbieter von Matchbox aufwärts. Personenwagen, der Serie entnommen, rot lackiert mit Blaulicht und Beschriftung kennzeichnen den Einsatzleitwagen. Ob Siku in Deutschland, Matchbox in England, alle lieferten die spielerische Legitimation, Feuerwehrhauptmann in Sandkiste und Kinderzimmer zu sein

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Eine Sammlung alter Feuerwehrfahrzeuge in der Größe 1:55 bis 1:43 zusammen zu tragen ist eine Herausforderung, die sehr viel Spaß macht. Durch die regional stark unterschiedlichen Fahrzeugtypen entsteht ein buntes Bild. Kaum ein anderes Sammelgebiet ist abwechslungsreicher. Nehmen wir nur einmal die Fahrzeuge amerikanischer Wehren. Würde man so gar nicht vermuten, wo doch (fast) alle rot lackiert sind

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Beginnen wir unsere Reise in England, so bot Matchbox Modelle in der King Size-Baureihe an.

Corgi Toys lancierte einen American LaFrance, der keine Wünsche offen ließ. Vom Jaguar 3,4 Litre als Einsatzleitwagen über Kleinlöschfahrzeuge dörflicher Wehren bis zum Simon Snorkel wurde alles angeboten. Der preislich immer teurere Anbieter Dinky Toys ließ sich nicht lumpen, bot vor dem Weltkrieg bereits einen Mannschaftstransporter an. In den Nachkriegsjahren dann aus seiner französischen Produktion Leiterwägen, Tankwägen, Einsatzleitwägen auf Basis heute längst nicht mehr existierender Firmen wie Delahaye. Noch in den 1970er-Jahren entstand in englischer Produktion ein ganzer Löschzug mit dem auch bei unseren Wehren populären Ford Transit.


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In Frankreich war es vor allem Solido, die ab 1950 Feuerwehrautos im Programm hatten. Darunter seltene Bauformen für Waldbrand und Flughafeneinsatz, Abschlepp- und Mannschaftswagen. Neben französischen Vorbildern kamen viele deutsche und amerikanische zu Ehren. Darunter ein Mack-Sattelzug mit 30.000 Liter Wassertank.

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Das Italien der Spielzeugautozeit war geprägt von Brumm-Modellen. Miniaturen auf Fiat-Basis, einzigartig in ihrer Art. Erwähnenswerte Modelle hatte Oldcars im Angebot, wenn auch nur wenige Jahre.

 Aus dem deutschen Angebot sticht mit einer unnachahmlichen Artenvielfalt Wiking heraus. Die kleinen Plastikmodelle stellen Feuerwehrfahrzeuge der letzten 60 Jahre dar. Für den 1:87er-Maßstab in unvergleichbarer Detailtreue. Ebenfalls eine Traditionsfirma ist Siku, die bereits länger als ein halbes Jahrhundert im Maßstab 1:66 bzw. 1:55 die Geschichte der Feuerwehrfahrzeuge verkleinert. Gleichermaßen für das Kinderzimmer wie für die Sammlervitrine geeignet. Für Sammler der Größe 1:43 sind erstrangig die Modelle von Conrad erwähnenswert. Sie erlangten auch als Werbemodelle eine gewisse Bekanntheit. GAMA baute Leiterwagen auf Magirus-Deutz, Faun und Mercedes-Benz Fahrgestelle sowie interessante Variationen von Kleinlöschfahrzeugen auf Volkswagen-Basis. Einzelne Modelle lieferte Märklin bereits vor dem Weltkrieg und danach bis in die 1970er- Jahre.


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Schöne Feuerwehrfahrzeuge bot in den 60er-/ 70er-Jahren der dänische Hersteller Tekno an, die auch in Österreich verkauft wurden. Wer sich auf den großen Börsen wie Mailand umsieht, wird Feuerwehrautos aus Kleinserienproduktion entdecken, welche an Detailtreue neue Maßstäbe setzen. Solche Exoten haben dann aber Preise, die jenseits von Gut und Böse angesiedelt sind. Einige der abgebildeten Modelle habe ich zu Feuerwehrfahrzeugen umgebaut, sie waren in dieser Ausführung nicht käuflich.


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Seit den letzten 25 Jahren werden speziell für Sammler, vorwiegend in Fernost gefertigte Modelle nach historischen oder topaktuellen Vorbildern produziert. Diese lassen sich über Internet am leichtesten zusammentragen, da es außerhalb großer Städte kaum gutsortierte Fachgeschäfte gibt. Der Spielwarenhandel führt meist keine Sammlerstücke. So lässt sich der Traum vom Feuerwehrmann im Wohnzimmer am leichtesten erfüllen

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